Öffentlicher Drohnennahverkehr

Ruanda ist weltweit führend beim Einsatz von Transportdrohnen. Das afrikanische Land setzt Drohnen unter anderem für den Transport von Blutproben und den Kampf gegen Moskitos ein. Marktführer der unbemannten Luftfahrzeuge (UAV – unmanned aerial vehicles) ist das chinesische Unternehmen DJI mit Sitz in der südchinesischen Stadt Shenzhen. Deutschland will den Anschluss nicht verpassen und hat einen ehrgeizigen Aktionsplan aufgelegt.

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„Wir sind bereit für den Abflug in die dritte Dimension“ prophezeit Verkehrsminister Scheuer. In Deutschland sind 500.000 unbemannte Drohnen im Umlauf. Rund 10.000 Menschen arbeiten in knapp 400 Unternehmen. Der deutsche Drohnenmarkt ist 574 Millionen Euro groß. Bis 2030 sollen 850.000 Drohnen einen Umsatz von fast drei Milliarden Euro erwirtschaften, so die Schätzung der Bundesregierung. Es bleibe aber ein Nischenmarkt.

Unbemannte Luftfahrtsysteme (Unmanned Aircraft Systems)

Heute werden Drohnen überwiegend zur Vermessung (79 %), Inspektion (53 %), Film und Foto (35 %) und zur Kartierung und Beobachtung (33 %) genutzt. Das BMVI hält es für möglich, schon in drei Jahren Pakete zu verschicken. Zu gern möchte man international eine dominierende Rolle einnehmen. Was das Regelwerk betrifft, nimmt Deutschland schon heute eine Spitzenposition ein. Auf 24 Seiten stellt das BMVI  Kurzinformationen über die Nutzung von unbemannten Luftfahrtsystemen vor. Wie gesagt, das sind lediglich Kurzinfos.

Besorgte Bürger?

Und wer kann schon heute sagen, ob besorgte Bürger nicht demnächst auch gegen Drohnen demonstrieren? Meditieren gegen Drohnen. Demos haben ja gerade Hochsaison. Dann dauert es weitere drei Jahre. Derweil die Bundesrepublik sich um Peanuts, wie den Schutz vor Drohnen an Flughäfen kümmert, zeigen uns die Chinesen Bilder aus der nächsten Dimension.

EHang 184 (Einsitzer) und EHang 216 (Zweisitzer)

Während Deutschland den neuesten Bestseller von Nele Neuhaus und Kopfschmerztabletten von Ratiopharm per Drohne im Vorgarten abstellen lässt, ist uns das Reich der Mitte – wieder einmal – um Längen voraus. Bereits seit 2015 werden Drohnen für Passagiere entwickelt. Für den Einsitzer EHang 184 wurden bereits vierzig Testflüge erfolgreich absolviert. Im März 2020 hat die norwegische Luftfahrtbehörde für den EHang 216 eine vorläufige Betriebsgenehmigung erteilt. Der 216 ist ein Zweisitzer mit 16 Propellern und hat über 1.000 Probeflüge hinter sich.

Öffentlicher Drohnennahverkehr (ÖDNV)

Vielleicht kann Deutschland den anderen auch mal zeigen, was eine Harke ist und die bemannte, autonome Luftfahrt revolutionieren. Wie wäre es mit einem öffentlichen Drohnennahverkehr?  Gefördert durch Bund und Länder, damit alle Verkehrsteilnehmer partizipieren können. Mit einem Multicopter fliegen zum Shoppen auf das Parkdeck von Kaufland. Wir sind nicht mehr der eindimensionale Konsument, sondern feiern unseren Aufstieg zum autonomen Endverbraucher. Mit dem Flugtaxi lassen wir uns ins Theater bringen.

Mobilität neu denken

Die zunehmende Urbanisierung und die (immer noch) steigende Zahl von Staus erhöhen den Bedarf nach Flugtaxen und bemannten Drohnen erheblich.

Eines ist sicher: Ohne die Autoindustrie wird es nicht funktionieren. Ist es denkbar, dass der Geschäftszweig der Zukunft nicht mehr Auto, sondern Drohne heißt? Können VW, BMW, Mercedes und Co. als Zukunftsmodell bemannte Drohnen produzieren? Zunächst Ein- und Zweisitzer. Quadrocopter, Flugtaxis, Ultraleichtflugzeuge, Volocopter, jeder bekommt vom Drohnenkuchen genug ab. Neue Arbeitsplätze entstehen, alte bleiben erhalten. Lebenslanges Lernen erhält neue Nahrung. Völlige Emissionsfreiheit dürfte ein weiteres Argument gegen herkömmliche Autos sein.

Vom fliegenden Klassenzimmer zum fliegenden Heimkino

Mit Mobilfunkstandard 5G können Flugtaxis zentimetergenau starten und landen. so Hu Huazhi, Gründer und CEO von EHang. Wenn Flugtaxis autonom transportieren, wird das Cockpit zum fliegenden Heimkino oder zum Homeoffice in der Luft. Die Vision nimmt schon heute Gestalt an.

Mit Dirndl und Drohne

Jedes fünfte Unternehmen, das sich heute in Deutschland mit Drohnen beschäftigt, kommt aus Bayern. Das ist Spitze in der Republik. Sie werden ihren Platz an der Sonne mit rustikalem Marketing weiter festigen. Hieß es einst „mit Laptop und Lederhose“  so werden sie uns bald mit dem Slogan „mit Dirndl und Drohne“ den Weg weisen.

Wenn wir viel Glück haben, entbrennt ein Wettbewerb unter den Bundesländern und in Nordrhein-Westfalen beispielsweise wirbt die CDU-Landesregierung für einen flächendeckenden Drohneneinsatz mit dem Slogan:

Wir im Westen – Fliegen ohne rot zu werden

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