Ein roter Teppich wird zum roten Tuch

Wie kann man die viel befahrene Kurt-Schumacher-Straße (KSS) anders gestalten und gleichzeitig einen ökologischen Mehrwert erzielen? Mit dieser Frage beauftragte die Verwaltung drei Planungsbüros. Deren Ideen rissen die meisten Ratsmitglieder nicht vom Hocker – im Gegenteil! Ein roter Teppich wurde zum roten Tuch.

 

Die Ruhr Nachrichten berichteten am 15.4.21 über die digitale Präsentation des Planungsbüros zur neuen Gestaltung der Kurt-Schumacher-Straße. Die Reaktionen der meisten Ratsmitglieder kann man getrost mit not amused beschreiben.

Damals

Das letzte Mal, dass Autos als besonders umweltfreundlich galten, war Ende der 1880er Jahre, weil sie die Straßen nicht mit Pferdemist verschmutzten. Das waren noch Zeiten. Heute nennen wir den Mist Treibhausgas-Emissionen und die müssen kräftig gesenkt werden, um 40 Prozent bis 2030. Kein Pappenstiel. Sicher wird es helfen, dass Elektromobilität zunehmen wird. Neuerdings kann man bei Tchibo Elektro-Autos leasen. Fiat 500E und Tesla Model 3.  Ist das schon die Mobilität der Zukunft? Wasserstoffautos werden den Markt erweitern.

Deutschland – einig Fahrradland?

Die Bundesregierung will Deutschland bis 2030 zum „Fahrradland“ entwickeln. Andy Scheuer stellt so viele Bundesmittel wie nie zur Verfügung. Jetzt müssen die Kommunen nur noch zugreifen. Das hört sich gut an. Ich hätte da mal eine Frage: Wollen wir das überhaupt? Wir sind doch keine Niederländer. Und überhaupt: Hört sich das nicht wie ein riesiges Umerziehungsprogramm an? Ich habe da so meine Zweifel. Natürlich ist das Radwegenetz jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt worden. Durch den anhaltenden Boom der E-Bikes, Pedelecs und Co. ist es zwingend erforderlich, die Zweirad-Infrastruktur deutlich, aber zielgerichtet zu verbessern.

PKW-Anteil bis 2035 halbieren?

Klar ist, dass der ÖPNV verstärkt werden muss, und zwar in erheblichem Umfange. In einer Online-Umfrage der Stadt wünschen sich das 26 Prozent aller am Verkehr teilnehmenden. Mehr als doppelt so viel wie heute. In der gleichen Umfrage glauben die Befragten, dass es erstrebenswert ist, den PKW-Anteil bis 2035 zu halbieren. Interessant wird es dann, wenn vor dem eigenen Garagentor gekehrt werden muss. 699 Teilnehmer füllten den Fragebogen aus. Nicht repräsentativ, aber immerhin mehr als ein Fingerzeig.

Kurt-Schumacher-Straße (KSS)

Die vierspurige Stadtautobahn mutet an wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Geht es denn immer noch darum, möglichst schnell von A nach B zu gelangen, koste es, was es wolle? Oder müssen wir uns fragen, wie zukünftige Mobilität aussehen sollte, damit sie allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen gerecht wird. Noch einmal zum Mitschreiben: 40 Prozent der Treibhausgas-Emissionen, die durch den Verkehr verursacht werden, müssen bis 2030 eingespart werden. Kann die KSS einen Beitrag dazu leisten?

Der Vorschlag der Planer

Ein roter Teppich als Straßenbelag führt von der Neuberinstraße über die Kurt-Schumacher-Straße und endet am Theater. Der gewünschte Effekt: Das Theater erhält damit eine Anbindung an die Innenstadt.

Das Problem

Der rote Teppich muss über die viel befahrene Kurt-Schumacher-Straße geführt werden. Das scheint den meisten Ratsmitgliedern unrealistisch. Jedoch scheiden Fuß- und Radwegbrücke oder eine Untertunnelung aus Kostengründen aus.

Die Lösung

Eine Ampellösung mit Bergmann mit Grubenlampe in der Hand ist die beste Empfehlung, weil somit Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen von der Innenstadt die Kulturinsel mit Theater, Hansesaal und Stadtgalerie erreichen können.

Kurt-Schumacher-Straße – zweispurig und Tempo 30

Das ist doch ein sehr guter Vorschlag. Und wer sagt, dass die KSS in heutigen Zeiten und in Zukunft vierspurig erhalten werden muss? Reicht nicht auch zweispurig und Tempo 30? Dann wäre Platz für Radwege und Begrünung mit Bäumen.

Übrigens: Gegen Tempo 30 und geringeren Lärmpegel würden sicher die Bewohner der zukünftigen Wohnungen der Ex-Mercedes-Fläche nichts einzuwenden haben.

Des Weiteren ist auf der Zeichnung der Experten der Theaterparkplatz mit Baumbepflanzung  zu erkennen. Eine ökologisch sinnvolle Maßnahme und eine deutliche Aufwertung des tristen Parkplatzes. Und einen neuen Standort für ihre Skateanlage hätten die Jugendlichen wahrlich verdient.

Vorläufiges Fazit

Wir haben das Auto und das Fahrrad erfunden. Die Mobilität, die wir lieben, müssen wir nicht wieder zurückdrehen. Vielmehr wird die Mobilität der Zukunft auf vielen, unterschiedlichen Rädern gemacht. Auf den Mix kommt es an. Natürlich wird die KSS eine der Hauptverkehrsstraßen bleiben. Man kann wohl kaum neue Umgehungsstraßen bauen und die Bebauung ändern. Kompromissfähig müssen alle Beteiligten sein.

KSS wird zum Boulevard befördert

Der Entwurf des Planungsbüros Bläser Jansen Partner GbR ist eine tolle Idee, wie man einerseits die Kurt-Schumacher-Straße zu einem Boulevard umnutzen kann, um das Theater besser an die Innenstadt anzubinden – mit einem roten Teppich.

Rote Rosen

Wann fällt der Startschuss? Der rote Teppich liegt bis zum Theater, der City Ring mit den Einzelhändlern an einem Verkaufswochenende rollt rote Teppiche aus und der Bürgermeister verteilt rote Rosen an die Bürgerinnen und Bürger. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Von Kurt Schumacher höchstpersönlich stammt das Zitat

Man muss begeistert sein, um große Taten zu vollbringen

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