Nach der Wahl ist vor der Wahl

Es ist vorbei. Armin Laschet ist der neue, digital gewählte Vorsitzende der CDU. Die Rechner kühlen langsam runter. Merz hat auch keinen Bock mehr auf Terz. Der nächste Akt folgt Ostern. Wir, als teilgeimpftes Wahlvolk, werden nicht nur Eier suchen, sondern dabei zusehen, wie die Union einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten aus dem Hut zaubert.

 

Wer wird Kanzlerkandidat der Union?

Locker-Laschet oder Lockdown-Söder, das ist hier die Frage. Die Redaktion des Statt-Blocks hat sich festgelegt und glaubt, dass es Armin Laschet wird. In unserer Zeit läuft ohne Deal nun reineweg gar nichts mehr. Vielleicht bietet der Dauer-Unentschieden-Toto-Tipper aus Aachen Markus Söders CSU wegen des Verzichts ein zusätzliches Ministeramt an. Wir wissen es nicht.

Nach Ostern wird es langsam spannend, dann beginnt die Hochsaison der Wahrsager und Glaskugelbesitzer.

Nehmen wir an, am Sonntag wäre Bundestagswahl

(die hier verwendeten Prozentwerte sind aus der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen von Mitte Januar)

CDU/CSU  ⇒  37 %
Das Zwischenhoch wird schon bald Makulatur sein. Die tief gespaltene Partei wird sich weiter zermürben. Angela Merkel reitet allmählich in den Sonnenuntergang. Armin Laschet schafft es wohl kaum, die Lager miteinander zu versöhnen. Dazu kommt der Kampf um die Kanzlerkandidatur, den Laschet gewinnen wird. Im Sommer flacht die Pandemie langsam ab und dominiert in der Wahrnehmung der Wählerinnen und Wähler den Alltag nicht mehr allzu sehr. Das spielt Söder nicht gerade in die Karten, Laschet als Corona-Exit-Strategen aber auch nicht. Tendenz: fallend.

SPD  ⇒  15 %
Die SPD schafft es trotz Politik mit Wumms nicht, Boden bei den Wählerinnen und Wählern gutzumachen. Bot die Union gleich dreieinhalb Kandidaten für die Parteispitze und zwei für den Kanzlersessel auf, fokussiert sich bei den Sozialdemokraten alles auf den Finanzminister. Wir kennen ihn alle: er ist Finanzminister und organisiert in seiner Freizeit ganz tolle Hafengeburtstage. Olaf Scholz ist das Darmol-Männchen, das im Nachthemd und Zipfelmütze im dunklen Keller in der einen Hand eine brennende Kerze und in der anderen eine Bazooka hält, um die bösen Umfragegeister zu verscheuchen. Tendenz: tragisch.

Die Grünen  ⇒  20 %
Sie sind die Umfrage-Überflieger. 2021 wird ihr Jahr. In der Coronakrise konnten sie nicht richtig, aber auch nichts falsch machen. Ihr Brot- und Butterthema, Umwelt im Allgemeinen, Klimawandel im Besonderen, wird in der zweiten Jahreshälfte deutlich an Fahrt aufnehmen. Möglich, dass Greta Thunberg sich in den Wahlkampf einbringt, oder ein Grußwort spricht. Mit Annalena Baerbock und Robert Habeck haben sie gleich zwei Aspiranten, die scharf auf den Kanzlerstuhl sind. Wir glauben, dass Annalena Baerbock am Ende die Nase vorn hat und Kanzlerkandidatin wird. Das passt einfach in die Zeit. Wenn die Grünen jetzt nicht nach der Macht greifen, wann dann? Tendenz: stark wachsend.

Die Linke  ⇒  8 %
Geschlossenheit sieht anders aus. Nach dem Rückzug von Chefin Katja Kipping und Co-Vorsitzender Bernd Riexinger wird Ende Februar ein neuer Vorstand gewählt. Drei Kandidaten stehen zur Wahl: Susanne Hennig-Wellsow. Sie schmiss in Thüringen FDP-Kemmerich die Blumen vor die Füße. Immerhin. Torsten Skott und Janine Wissler, MdL im Hessischen Landtag stellen sich zur Wahl. In den letzten 30 Jahren hat die Linke 220.000 Mitglieder verloren. Sahra Wagenknecht sagt: “Wir sind mehr und mehr zu einer Akademikerpartei geworden, wie viele andere linke Parteien in Europa auch.” Da muss man Schwarz sehen, für die Rott. Tendenz: weiter sinkend.

FDP  ⇒  5 %
2017 glaubte Christian Lindner, dass es besser sei nicht zu regieren, als schlecht zu regieren. Das hat sich der Souverän gemerkt und verinnerlicht, denn wir Wahlvolk glauben mittlerweile auch, dass es besser ist, ohne die FDP zu regieren. Die FDP wird einfach nicht mehr gebraucht. Tendenz: abwärts.

AfD  ⇒  10 %
Die Querelen und Skandale reißen nicht ab. In ihrer Hochburg Ostdeutschland verlieren sie stark und fallen aktuell hinter die CDU und die Linke zurück. Tendenz: Sinkflug.

Sollten wir mit unserer Annahme richtig liegen, könnten wir am Wahltag aus drei Kandidaten auswählen:

Annalena Baerbock  (Grüne)
Armin Laschet  (CDU/CSU)
Olaf Scholz  (SPD)

Und hier ist sie: unsere Einschätzung für die Wahl am 26. September 2021. Die gestrichelten Abweichungen beziehen sich auf das Ergebnis der Bundestagswahl 2017.

Das wäre doch eine Riesenüberraschung. Die Grünen werden stärkste Kraft und stellen mit Annalena Baerbock die Kanzlerin. Armin Laschet ist enttäuscht und bleibt in Düsseldorf. Die Union wird Junior-Partner der Grünen und stellt nur den Vizekanzler. Merz winkt ab. Es gibt da allerdings noch jemanden, an den keiner mehr gedacht hat: der westfälische George Clooney. Richtig, mit Norbert Röttgen können die Grünen gut leben. Er war 2009 bis 2012 bereits Umweltminister. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Passt. Norbert Röttgen wird Außenminister und Vizekanzler.

 

 

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