Jens Napaattooq aus Grönland

Trump verliert, Trump zieht vor Gericht, Trump spielt Golf, Trump verlässt das Weiße Haus nicht, Trump feuert Verteidigungsminister, Trump tritt 2024 erneut an… gibt’s eigentlich keine anderen Meldungen mehr in den Medien? Wir wachen mit Trump auf, Trump zum Frühstück, Trump auf der Arbeit, Trump als mediale Allzweckwaffe. Soll das jetzt immer so weitergehen? 

Wir brauchen etwas Abwechslung, liebe Presse. Es gibt doch so viele wunderbare Kleinkriminelle, die auch ein Recht haben, auf den Titelseiten zu erscheinen, sie schaffen es aber nicht. Heute stellen wir Euch einen von Ihnen vor, der es verdient gehabt hätte. Er heißt Jens Napaattooq und lebt in Grönland.

Jens Napaattooq aus Grönland

1995 kandidierte Jens Napaattooq für die Inuit Ataqatigiit (grönländisch für „Gemeinschaft der Inuit“) zum Inatsisartut, dem Parlament Grönlands. Er wurde gewählt. Nach der Wahl warf der Wahlprüfungsausschuss einen kleinen Blick in sein Strafregister. Man wurde fündig. Jens Napattooq war bereits zweimal zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. 1986 wegen zwanzig Anklagepunkten über u. a. Diebstahl, Bedrohung, Beamtenbeleidigung und Schusswaffenmissbrauch. Er hatte unter anderem auf eine Polizeistation geschossen. Das kann sich doch sehen lassen. Er kam auf Bewährung frei, beging aber fünf neue Straftaten, darunter Körperverletzung, Bedrohung, wieder Schusswaffenmissbrauch und Vandalismus, als er mit einem Freund alle Straßenlaternen in Ittoqqortoormiit zerschoss. Gute Freunde, die schießen zusammen.

Bürgermeister von Ittoqqortoormiit

Die Bevölkerung fand das gar nicht so schlimm, man wollte den guten Jens eigentlich ganz gerne behalten. Jens Napattooq zog sich jedoch zurück und bevorzugte es, sich für Kommunalpolitik zu engagieren. 1997 kandidierte er für die Partei  *Siumut und erhielt soviel Stimmen, dass es gleich für das Bürgermeisteramt von Ittoqqortoormiit reichte. Ein Ort an der Ostküste Grönlands mit 345 Einwohnern.
* Simut bedeutet vorwärts und hat eine sozialdemokratische Ausrichtung.

Minister im Kabinett Enoksen III

2004 ging es für ihn politisch erneut bergauf. Der grönländische Minister Kristoffer Morten Mikael Ole Petersen trat zurück. Jens Napaattooq wurde zum Minister für Wohnwesen, Infrastruktur und Umwelt ins Kabinett Enoksen III berufen.

Das ging nicht lange gut, denn schon eineinhalb Jahre später wurde er seines Amtes enthoben. Er hatte 128.000 Dänische Kronen (ca. 17.000  Euro) Steuergelder veruntreut, ist davon essen gegangen, nach Kopenhagen geflogen und hat dort Stripclubs besucht. Das sind doch nun wirklich Peanuts. Dafür wurde er 2007 zu vier Monaten Gefängnis bestraft. Als genug Gras über die Sache gewachsen war kandidierte er 2018 erneut für das Parlament, diesmal für die *Partii Naleraq. Er  wurde wieder gewählt. Da kennen die Grönländer nichts. Laternen abschießen und Steuergelder verprassen gehört auf Grönland zum guten Ton.
* Partii Naleraq bedeutet Partei Peilmarke und ist separatistisch, populistisch und zentristisch ausgerichtet.

Als die Wahlprüfer dieses Mal den Namen Jens Napattooq entdeckten, fingen Sie gar nicht mehr an zu prüfen. Sie werden sich gedacht haben: Das ist zwecklos, der kommt immer wieder.

Kleine Idee zum Schluss

Wenn Trump doch partout nicht aus dem Weißen Haus ausziehen will, dann sollen sie ihm im Keller doch eine Modelleisenbahn aufbauen. Dort kann er, wie Seehofer in Bayern, mit der Union Pacific fahren und wenn er in seinen Bahnhof einfährt und Joe Biden möchte zusteigen, fährt er einfach durch. So hat das Seehofer mit Angela auch gemacht.

Jeden Tag ein kleines Erfolgserlebnis – bis 2024. Dann ist wieder Wahlkampf.

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