Tempo to go

Und täglich grüßt die Plastikflut.

Meine Nase glaubt, dass es Winter ist, obwohl gar kein Schnee liegt. Ihr ist das egal, sie läuft trotzdem, aus alter Gewohnheit. Wahrscheinlich läuft sie auch noch bei 32 Grad im März. Mein gebügeltes Stofftaschentuch in der linken Hosentasche benutze ich nicht für mein Rotznäschen. Das ist exklusiv zum Putzen der Brille da, obwohl ich seit einem Jahr keine Brille mehr trage, da ich zum Linsenträger aufgestiegen bin.

Durchschnupfsicher

Einmal-Taschentücher sind bequem und sexy. Vierlagig, Durchschnupfsicher, mit Verwöhn Balsam, Mandelöl, antibakteriellem Wirkstoff und Aloe Vera sind Sie einfach unschlagbar. Das Umwelt-Plus: Einmal-Taschentücher sind sogar waschmaschinenfest. Das war mir bislang nicht bekannt.

Acht Tüchertrockner

Noch in dieser Saison werde ich zu Hause eine Diskussion anstoßen, ob wir Tempo-Tücher nach einmaligem Gebrauch sammeln sollen und nicht, wie in den letzten Jahrzehnten, acht- und lieblos wegwerfen. Nicht ausgeschlossen, dass wir eine zweite Wäschetrommel für gebrauchte Papier-Taschentücher anschaffen. Im 30-Grad Schnellwaschgang, ohne Vorwäsche, werden 800 Tempotücher ihrer zweiten Verwendung zugeführt. Vielleicht heißt „waschmaschinenfest“ was ganz anderes, ich bin kein Fachmann. Platz für acht zusätzliche Wäschetrockner haben wir im Keller.

#ZEROWASTEART

Die Kunst ist schuld, dass es überhaupt bei uns zu diesem Thema gekommen ist. Im Hauptbahnhof Dortmund haben Künstler sich mit dem Thema der Übermüllung  ausein-andergesetzt, das war im Dortmunder Bahnhof nun auch wirklich nicht schwer und haben das Kunstprojekt https://zerowasteart.de/ gestartet. Unter anderem wurde auf Schau-tafeln gezeigt, welcher Plastikwahnsinn allein durch Einmal-Taschentücher produziert wird.

Pappbox mit Schlitz

Seit zwei Wochen steht bei uns im Flur auf dem Sideboard eine Pappbox mit Schlitz. Der Karton ist aus 100 Prozent Altpapier. Aus dem leicht geöffneten Schlitz guckt 100 Prozent hygienisches, recyeltes, supersoftes und reißfestes Taschentuch heraus. Es sieht aus wie ein stinknormales Tempotuch, ist dem aber umwelttechnisch um Längen voraus. Leider wird auf Mandelöl, Verwöhnbalsam und Aloe Vera verzichtet.

Essbares Taschentuch

Wer weiß, was die Industrie an innovativen Papiertaschentüchern mit Zusatznutzen noch so auf den Markt wirft. Werden wir bald Tempos nach Gebrauch nur auf links drehen und das transformierte Taschentuch wird zum Dessert to Go? Essbares Taschentuch. Warum denn nicht? Tempo-Taschentuch mit einem angenehmen Süße-Säure-Spiel und leichter Avocado-Note im Abgang. Ich halte das nicht für ausgeschlossen in diesen von knappen Ressourcen dominierten Zeiten. Die Industrie ist zu allem fähig.

Und so ganz nebenbei hätte sich das Problem der Durchschnupfsicherheit  in Luft aufgelöst.

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